Erbe ausschlagen - Frist versäumt: nicht immer eine Katastrophe
Dr. Robert Beier, LL.M. | Fachanwalt für Erbrecht

Erbe ausschlagen – Frist versäumt

Der Erbe hat lediglich sechs Wochen Zeit, das Erbe auszuschlagen. Schlägt er nicht aus, gilt die Erbschaft als endgültig angenommen. Die Annahme der Erbschaft wird also fingiert. Will der Erbe ausschlagen – Frist versäumt, ist guter Rat teuer. Aber es gibt oft eine Lösung: Will der Erbe nach Ablauf der Ausschlagungsfrist das Erbe doch noch ausschlagen, muss er die Annahme der Erbschaft anfechten.

Die Anfechtungsfrist für die Annahme der Erbschaft beträgt im Regelfall sechs Wochen gemäß § 1954 Abs. 1 BGB. Hatte der Erblasser seinen Wohnsitz im Ausland oder hielt sich Erbe im Zeitpunkt des Fristbeginns im Ausland auf, verlängert sich die Frist gemäß § 1954 Abs. 3 BGB auf sechs Monate. Die Regelung entspricht folglich den Fristen für die Ausschlagung der Erbschaft an sich, vgl. § 1944 Abs. 1 S. 3 BGB.

Die Anfechtung ist gegenüber dem Nachlassgericht zu erklären. Sie ist amtsempfangsbedürftig. Die Anfechtungserklärung kann daher gemäß § 1955 S. 2 BGB i.V.m. § 1945 BGB vor dem Urkundsbeamten der Geschäftsstelle erklärt oder aber notariell beurkundet werden. Die Nennung aller bekannten Gründe für die Anfechtung ist dringend zu empfehlen. Ansonsten kann es zu einer endgültigen Verfristung kommen.

Beachtliche Anfechtungsgründe sind unter anderem die irrige Vorstellung, durch die Ausschlagung den Pflichtteil zu erhalten. Auch kann der Irrtum über Umfang und Zusammensetzung des Nachlasses einen wirksamen Anfechtungsgrund darstellen.

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