Testament hinterlegen
Wo kann man sein Testament und zu welchen Kosten sicher hinterlegen?

Testament wo hinterlegen | Amtsgericht | Notar | Nachlassgericht | Kosten

Testament wo hinterlegen? Kosten bei Amtsgericht, Notar & Nachlassgericht

Die besondere sogenannte amtliche Verwahrung für Testamente und Erbverträge ist in § 2300 BGB geregelt. Notarielle Testamente werden von dem beurkundenden Notar unverzüglich in die besondere amtliche Verwahrung gebracht. Dies regelt bereits § 34 Abs. 1 S. 4 BeurkG. In der Urkundensammlung des Notars verbleibt dann nur noch ein Vermerkblatt. Auch Nottestamente vor dem Bürgermeister und Testamente vor einem Konsularbeamten werden auf diese Art und Weise hinterlegt.

Durch die amtliche Verwahrung soll die letztwillige Erklärung des Erblassers gesichert werden. Die Urkunde ist Verfälschungen und Zerstörungen entzogen. Auch eine Geheimhaltung der Urkunde durch Unterdrückung ist nicht mehr möglich.

Wo kann man ein Testament hinterlegen?

Zuständig für die Annahme eines Testaments zur Hinterlegung ist das örtlich zuständige Nachlassgericht. Dies befindet sich im Regelfall im nächst gelegenen Amtsgericht. Gemäß § 3 Nr. 2 RPflG ist zur Hinterlegung des Testaments ein Rechtspfleger zuständig. Dieser bestätigt die Annahme des Testaments durch eine sogenannte Annahmeverfügung. Es erfolgt dann ein Eintrag in dem Verwahrungsbuch des Amtsgerichts und das Testament wird im Testamentsschrank eingeschlossen. Gemäß § 346 Abs. 3 FamFG wird dem Erblasser ein Hinterlegungsschein erteilt. Diesen Hinterlegungsschein nimmt man zu seinen persönlichen Akten. Der Hinterlegungsschein ist nichtig, wenn man das Testament beispielsweise aus der amtlichen Verwahrung wieder zurückhaben möchte.

Hinweis: Wichtig ist zu wissen, dass bei der Annahme der Urkunde durch das Amtsgericht eine Überprüfung der Wirksamkeit des Testaments nicht erfolgt. Es kommt immer wieder vor, dass maschinengeschriebene Testamente eröffnet werden und dann aufgrund der nicht beachteten Formvorschriften unwirksam sind. Das Gericht trifft keine Pflicht, ein Testament auf seine Wirksamkeit zu überprüfen. Dies betrifft sowohl formelle als auch inhaltliche Wirksamkeitsbedingungen.

Welche Kosten entstehen bei der Hinterlegung eines Testaments?

Die Berechnung der Kosten für die Hinterlegung eines Testaments wurde zum einen vereinfacht als auch im Regelfall günstiger. Während sich bis zum Jahr 2013 die Kosten für die Hinterlegung eines Testaments nach dem sogenannten Gegenstandswert richteten, wird heute lediglich eine Pauschale erhoben. Bis zum Jahr 2013 musste man folglich den Wert des Nachlassvermögens angeben. Aus dieser Angabe wurde dann die Gerichtsgebühr berechnet. Mittlerweile gilt für die Hinterlegung eines jeden Testaments eine einmalige pauschale Gebühr in Höhe von 75,00 €. Diese Gebühr wird unverzüglich nach Hinterlegung des Testaments vom Gericht in Rechnung gestellt und ist dann kurzfristig auszugleichen.

Die Gebühr wird nur einmalig fällig. Es gibt keine weiteren regelmäßigen Kosten, welche durch das Gericht erhoben werden.

Wird das Testament beim Amtsgericht oder beim Notar hinterlegt?

Die Hinterlegung erfolgt immer beim Amtsgericht. Errichtet man das Testament allerdings bei einem Notar, übernimmt der Notar automatisch die Hinterlegung des Testaments. Insoweit hat man oft den Eindruck, als ob das Testament beim Notar hinterlegt ist. Der Notar behält allerdings lediglich ein Vermerkblatt, dass er das Testament hinterlegt hat. Will man das Testament aus der amtlichen Verwahrung zurück haben, wendet man sich in diesem Fall auch an den Notar.

Anders ist es, wenn man das Testament selbst hinterlegt hat. Mit dem vom Amtsgericht ausgestellten Hinterlegungsschein kann man jederzeit die Rückgabe des Testaments verlangen. Handelt es sich um ein gemeinschaftliches Testament, ist die Rücknahme aus der Verwahrung auch nur gemeinschaftlich möglich. Nach dem Tod eines Ehepartners ist eine Rücknahme nicht mehr zulässig.

Mittlerweile wurde auch ein Zentrales Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer eingerichtet. Das zentrale Testamentsregister ist für alle Testamente, Erbverträge und sonstigen erbfolgerelevanten Urkunden (also beispielsweise auch Eheverträge, weil sich dadurch die Erbquoten ändern) zuständig.

In diesem zentralen Testamentsregister werden nur die in amtlicher Verwahrung befindlichen erbfolgerelevanten Urkunden eingetragen. Das handschriftliche Testament, welches nicht in amtliche Verwahrung gegeben wurde, sondern beispielsweise Zuhause aufbewahrt ist, wird nicht im zentralen Testamentsregister erfasst. Im Testamentsregister können eigenhändige Testamente nur bei besonderer amtlicher Verwahrung registriert werden.

Die Registrierung im Zentralen Testamentsregister erfolgt sowohl im öffentlichen Interesse einer geordneten Nachlassabwicklung als auch im privaten Interesse an einer schnellen Umsetzung des letzten Willens des Erblassers. Die Registrierung stellt einen zusätzlichen Sicherungsakt dar. Hierdurch soll das Auffinden von amtlich verwahrten erbfolgerelevanten Urkunden gesichert werden, damit das Nachlassgericht im Sterbefall schnell und vor allem richtig entscheiden kann. Deshalb benachrichtigt das Zentrale Testamentsregister die Verwahrstellen von erbfolgerelevanten Urkunden im Sterbefall. Daraufhin werden diese Urkunden eröffnet und an das Nachlassgericht abgeliefert.

Für die Registrierung im zentralen Testamentsregister entstehen abermals Gebühren. Diese Kosten für die Registrierung belaufen sich auf derzeit 15,00 € oder 18,00 €.

Checkliste zur Hinterlegung eines Testaments

Nachfolgende Checkliste zur Hinterlegung eines Testaments soll insbesondere der Entscheidungsfindung dienen, ob im konkreten Fall eine Hinterlegung des Testamentes sinnvoll ist:

  • Eine Verpflichtung zur Hinterlegung eines Testaments beim Nachlassgericht oder im zentralen Testamentsregister besteht nicht.
  • Können Sie sicherstellen, dass Ihr verwahrtes Testament Zuause oder im Büro schnell gefunden wird? Liegt Ihr Testament im Tresor? Wer hat im Fall der Fälle Zugang zum Tresor?
  • Muss aufgrund der Zusammensetzung des Nachlasses Ihr Testament sehr schnell gefunden werden oder hat alles etwas Zeit?
  • Können Sie ausschließen, dass eine Person das Testament findet, die das konkrete Testament unterdrückt, vernichtet oder manipuliert?
  • Die amtliche Verwahrung schließt alle Unwägbarkeiten aus. In Anbetracht der pauschalen Gebühr in Höhe von derzeit 75,00 € empfehlen wir daher unbedingt, die Möglichkeit der amtlichen Verwahrung jedenfalls ernsthaft in Betracht zu ziehen.
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